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#NOSHOPPING2026

  • Autorenbild: daszimmer10
    daszimmer10
  • 3. Jan.
  • 7 Min. Lesezeit

Seid gegrüsst Ihr netten Menschen


Neulich habe ich mir Gedanken zu Vorsätzen fürs neue Jahr gemacht - aber auf deren Sinn oder Unsinn wollen wir hier nicht eingehen. Den Entschluss für ein Jahr lang #NoShopping habe ich bereits letztes Jahr im Herbst gefasst. Aber ehe wir auf die Gründe eingehen, wollen wir uns mit Kaufsucht befassen, da ich nicht umhin kam, mir die Frage zu stellen, ob ich (wieder) kaufsüchtig bin...


Kaufsucht - Was ist das?

Kaufsucht (auch Kaufzwang oder Compulsive Buying) bezeichnet eine psychische Verhaltensstörung, bei dem Menschen wiederholt und in erheblichem Ausmass Impulskäufen nachgehen. Sie kaufen Dinge, nicht etwa, weil sie sie benötigen, sondern des Kaufens wegen. Typisch für eine Kaufsucht ist:

  • Kaufen als Reaktion auf Stress, Frust, Langeweile, Traurigkeit...

  • Erleichterung oder Euphorie beim Kauf bzw. beim Erhalt des Pakets

  • oftmals begleitet von Schuldgefühlen, Scham oder Reue nach dem Kauf

  • die gekauften Güter werden oft nicht genutzt - oder die Pakete bleiben lange ungeöffnet


Ab wann ist man kaufsüchtig?

Wie für so vieles gibt es auch hierfür klinische Kriterien, die angeben, ab wann man kaufsüchtig ist. Die Rede ist von suchtartigem oder problematischem Kaufverhalten, wenn mehrere der folgenden Punkte über längere Zeit zutreffen (dieses über längere Zeit... Eine Depression gilt ja per Definition auch erst als Depression wenn man 7 Tage lang depressiv ist...):

  • Kontrollverlust: Eigentlich will man gar nichts kaufen, tut es dann aber trotzdem

  • Zwang: Starker innerer Drang, etwas kaufen "zu müssen"

  • Emotion: Kaufen erzeugt gute Gefühle bzw. verdrängt negative

  • Leidensdruck: Die Person leidet selbst unter dem Kaufverhalten - fühlt sich machtlos

  • Negative Folgen:

    • Finanzkriese bzw. Schulden

    • Konflikte in Beziehungen

    • berufliche oder psychische Belastungen

Viel Geld auszugeben reicht dabei noch nicht, um als kaufsüchtig eingestuft zu werden, da der Verlust der Selbststeuerung entscheidend ist (vgl. Suchtprävention, 2023).


WHO-Definition von Kaufsucht

Die WHO (World Health Organisation) führt in der internationalen Klassifikation ICD-11 keine eigenständige Definition von Kaufsucht, da sie nicht offiziell als psychische Störung anerkannt ist.

In der klinischen Praxis wird Kaufsucht oft im Zusammenhang mit Depressionen, Angst- oder Zwangsstörungen behandelt.


Antwort auf die Frage "Bin ich kaufsüchtig?"

In Anbetracht der Kriterien, ab wann man kaufsüchtig ist, bin ich es nicht. Auf mich trifft lediglich zu, dass ich shoppe, auch wenn ich nichts brauche. Oft ertappe ich mich dabei, wie ich gelangweilt durch Zalando, Zalando Lounge oder Yoox scrolle und meinen Warenkorb befülle - oft kaufe ich jedoch nichts. Erhalte ich Newsletter meiner Lieblingsdesigner, ertappe ich mich dabei, wie ich die Webshops durchforste. Zugegeben, ich habe 2025 zu viel Geld für Designer ausgegeben. Macht mich das kaufsüchtig? Ich denke nein.


Wie es zum Projekt #NoShopping2026 kam

Seit nunmehr fünf Jahren unterrichte ich das Fach WAH (Wirtschaft - Arbeit - Haushalt). Primär geht es darum, die Lernenden (und sich selbst) in Nachhaltigkeit und bewusster Lebensführung zu sensibilisieren, und sie auf das Leben nach der Schule vorzubereiten (Budgetplanung, Finanzen, Recht...). WAH ist also DAS Fach, nach dem zahlreiche 20-Minuten-Leser in den Kommentaren stets geschrien haben - und es teilweise noch immer tun, da sie keine Ahnung vom aktuellen Lehrplan haben - aber lassen wir das 20-Minuten-Klientel mal aussen vor. WAH hat sich der BNE - Bildung für nachhaltig Entwicklung - verschrieben, was ich als äusserst positiv ansehe. Mir selbst tut die Auseinandersetzung mit den Inhalten auch immer wieder gut.


Während wir die Themen Konsumentscheidungen und Konsumfolgen behandelt haben, habe ich bislang mit jeder Klasse "das grosse Zählen" durchgeführt. Hausaufgabe ist es, zuhause sämtliche Kleidungsstücke (unterteilt in T-Shirts, Pullis, Tops, Hosen/Röcke, Jacken) und Schuhe zu zählen. Ich mache jedes Mal dabei mit, einerseits weil ich selbst kein Vorbild bin, andererseits finde ich es spannend, zu sehen, welche Veränderungen es bei mir in all den Jahren gegeben hat. In der Folgelektion werden die Zahlen dann am Whiteboard zusammengetragen und addiert. Nachdem wir die Gesamtsummen der Kategorien berechnet und notiert haben, schreibe ich jeweils meine Zahlen dazu - was oftmals für Staunen und Gelächter sorgt. Wie gesagt, ich bin kein Vorbild.


Schuhtick (77 Paar Schuhe -> 12 Paar Schuhe -> 60 Paar Schuhe)

In meinen frühen Zwanzigern hatte ich eine Freundin, die eine Schuhsammlung hatte. Ich erinnere mich daran, dass sie ein Zimmer nur für Schuhe hatte. Ich war fasziniert und begann, mir auch eine Schuhsammlung anzulegen. Mein absolutes Maximum waren 77 Paar Schuhe. Siebenundsiebzig Paare! Natürlich habe ich von denen immer nur so die gleichen 4-5 Paare getragen. Einige waren zu schade, um sie zu tragen (was ich aus heutiger Perspektive als richtig bescheuert ansehe), andere verdammt unbequem (aber Hauptsache man hatte sie, schliesslich waren die 3 Paar Ballerinas in verschiedenen Farben von CHANEL -> na ja... Fakes halt, und meine damalige BFF und ich hatten ein gestörtes Verhältnis zu Markensachen, weshalb wir stets auf iOffer Fakes eingekauft hatten, denn Originale konnten wir uns da nicht leisten).

Eines Tages, ich meine es war, als ich umgezogen bin, mistete ich aus. Ich stellte meine Schuhe bei eBay und ricardo ein und auf Facebook-Marketplace. Ziemlich schnell war ich alles los und lebte fortan mit ganzen 12 Paar Schuhen, was angesichts der einstigen 77 Paar sehr wenig war. Es war okay. Ich war zufrieden.

Dann kam die WAH-Hausaufgabe des grossen Zählens und ich musste meine Schuhe erneut zählen. Ähem. Eben habe ich erneut gezählt, den aktuellen Stand: 60 Paar. Hier ist anzumerken, dass ich wohl hätte Buffalo-Aktien erwerben sollen, denn seit Buffalo vegane Schuhe herstellt, wächst meine Sammlung stetig.


Reflexion

Ich stellte in der Klasse die Fragen, weshalb wir so viele Kleidungsstücke und Schuhe besitzen. Weshalb wir immer weiter einkaufen, obwohl unsere Schränke voll sind bzw. wir eigentlich genügend hätten. Diese Fragen stellte ich mir selbst auch. Es ist unnötig. Ich kaufe mir Schuhe, weil sie schön und im Sale sind - nicht etwa, weil ich sie brauchen würde.

Kleidungsstücke genauso: Ich kaufe sie, weil sie schön sind und im Sale - oder weil ich etwas ersetze, oder es neue Bandshirts meiner Liebglingsbands gibt...

Mittlerweile gleicht das Verräumen der Klamotten einer Fitnessübung: Ich muss mich mit dem ganzen Körpergewicht gegen die Kleidungsstücke, die im Schrank hängen, stämmen, damit ich einen Kleiderbügel herausnehmen oder hineinhängen kann. Meine mittlerweile wieder 5 Meter Kleiderschrank sind voll. Hätte ich nicht das meiste an Kleiderbügeln hängen, hätte ich weitaus mehr Platz -_^

Nun ist Schluss damit. Einerseits, weil ich wirklich nichts mehr in meine Schränke hängen kann, anderersetis, weil ich genug Kleidungsstücke und Schuhe (und Bücher) habe. Daher habe ich ein striktes Shoppingverbot über mich verhängt.



Das Monument meines Wahnsinns

Am 1. Januar machte ich laut meiner apple Watch etwas über 2000 Schritte, während ich das Monument meines Wahnsinns zusammenstellte. Ich trug alles "Unnötige", das ich 2025 gekauft hatte, zu einem wundervollen Stillleben zusammen. Was mich dabei nachdenklich gestimmt hat, war die Tatsache, dass ich Kleidungsstücke in den Händen hielt, von denen ich gar nicht mehr wusste, das sich sie besitze. Als ich den Schrank, in dem all meine Mäntel und Jacken hängen, öffnete, griff ich nach allem Neuen. So hielt ich dann zwei Bomberjacken und einen Trenchcoat von Karl Lagerfeld in den Händen. Alle drei Teile sind aus 100% Plastik und so gemacht, dass man im Sommer zu heiss hat und Angst haben muss, dass der Plastik eins mit der Haut wird, wenn die Sonne etwas zu heftig scheint, und bei anderem Wetter friert man. Folglich DER Kaufentscheid schlechthin. Wieso habe ich sie dennoch gekauft? Die Teile sind speziell und waren im Sale. XD Dennoch denke ich, dass man sich Sorgen über sein Kaufverhalten machen sollte, wenn man sich nicht mehr an Kleidungsstücke erinnern kann...


Was ist auf dem Bild zu sehen?

  • ein Bild von Noah di Bettschen an meiner Wand (unnötig, aber ich liebe dieses Bild!!!)

  • 11 Paar Schuhe - alles Buffalo

  • ein neuer Screen (zusätzlich zu meinem 46 Zoll)

  • 3 Airline-Trolleys (1x Crossair neu, 2x echte Occassion Swissair-Trolleys)

  • 4 Zoologist Parfüm

  • der neue Zojirushi Induktionsreiskocher

  • viele neue Bücher

  • Mac Studio

  • gefühlt die gesamte neue Lorna-Shore-Hoodie-Kollektion

  • eine Bomberjacke mit Lorna Shore Logo

  • Hoodies, Longsleeves und T-Shirts von CoB und 5FDP sowie Amoral

  • Blusen von

  • 4 TrenchCoats von Stradivarius in verschiedenen Farben

  • 2 Bomberjacken & 1 Trenchcoat

  • 1 Hoodie von JOOP! in knallpink

  • 1 Strickjacke

  • Tops, Kimono, Jacke und Weste von esther perbandt

  • einen 5FDP-Baseballschläger, einfach weil er im Sale war und ich Shirts bestellt habe

  • eine Tasche von Vivienne Westwood, die ich etwa 7 Monate auf der Merkliste bei Zalando hatte und sie dann schliesslich im Sale gekauft habe



Mein Plan ist es, dieselbe Stelle am 1. Januar 2027 wieder zu fotografieren - in der Hoffnung, dass sie dann leer ist.


Das Projekt

Striktes Shopping-Verbot für die nächsten 365 Tage!

Das bedeutet, dass ich nur kaufen darf, was unbedingt zum Überleben notwendig ist. Also keine Luxusgüter, keine Klamotten, keine Schuhe, keine Accessoires. Keine Elektronik, keine Games (dabei hatte ich erst mit einer PS geliebäugelt... aber die würde wohl auch zum Staubfänger mutieren, wie etwa meine XBoX und meine Nintendo Switches, SNES, Nintento GameCube, Nintendo Wii, mein GameBoy oder mein GamingLaptop... wo ist der eigentlich?). Keine Taschen, Hüte, Caps, Mützen, Sonnenbrillen, Schals, Handschuhe, etc. Einfach nichts.

Keine Bücher! Das heisst, keine Belletristik. Fachbücher, die ich fürs Studium benötige, sind vom Shoppingverbot ausgenommen.

Keine Pflanzen... ☹️

Um das Ganze noch etwas herausfordernder zu gestalten, verbiete ich mir auch, etwas zu kaufen, um etwas anderes zu ersetzen. Ich besitze 105 T-Shirts! Sollte eines kaputtgehen, hätte ich immer noch 104 weitere.


Sollte jedoch mein brobdingnagischer Screen, mein iPhone, mein Fernseher (der schon mehrmals mit mir umgezogen ist, und daher schon in einem höheren Alter ist), oder Ähnliches das Zeitliche segnen, darf ich dies ersetzen.


Ich hatte mir überlegt, ob ich sämtliche ShoppingApps vom Handy löschen und meine üblichen Shops in allen Browsern blockieren soll. Jedoch stählt das Vorhandensein die Selbstbestimmung, weshalb ich es dabei belasse.


Join me

Falls Du auch der Meinung bist, zu viel zu shoppen und der Ausdruck "Shopaholic" auch auf Dich zutrifft, darfst Du mich gerne begleiten und ebenfalls auf Shopping verzichten. -_^

Viel Spass, viel Glück und gutes Durchhalten! 🍀


Aktueller Stand meiner Kleidungsstücke: 01.01.2026

Anlässlich meines No-Shopping-Projekts habe ich sämtliche Kleidungsstücke nochmals gezählt. Am 1. Januar 2027 werde ich wieder alles zählen. Bestenfalls habe ich dann weniger Teile, mehr sollten es auf gar keinen Fall sein.

Kategorie

Anzahl

Total

Schuhe

60

60

Blazer

12


Westen

5


Jacken

10


Jeansjacken

10


Jeanswesten

3


Bomberjacken

7


Winterjacken

4


Wintermäntel

4


Mäntel

2


TrenchCoats

9


Regenmäntel

3

69 Jacken & Mäntel

Polos

2


T-Shirts

105


Longsleeves

20


Pullis

17


Hoodies

23


Hoodiekleider

11


Zipper-Hoodies

23


Blusen/Hemden/Blusenkleider

57


Strickpullis und -jacken

29

287 Oberteile

Hosen (ohne Leggings)

67


Röcke

16

83 Unterteile

Kleider

21


Joggingsuits

18

39 Divers

Gesamttotal Klamotten


487

Handtaschen

10


Rucksäcke

7


Weekender/Reisetaschen

4


Koffer

3

24 Taschen & Koffer


Quellen

Suchtprävention. (2023, 21. August). Kaufsucht - Shopping-Sucht - Suchtprävention. https://suchtpraevention-zh.ch/safer-use-und-sucht/verhalten/kaufsucht/

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