Abschlussphase HS25 - Tod durch Erschöpfung
- daszimmer10

- 10. Jan.
- 5 Min. Lesezeit
Seid gegrüsst Ihr netten Menschen
Am Freitag, dem 19.12.2025 hätte ich ja den ganzen Tag an der PH zubringen sollen, um meine Leistungsnachweise zu präsentieren, die über Bestehen oder Nichtbestehen eines Moduls entscheiden. Alle notwendigen Unterlagen waren eingereicht, Arbeiten anderer Studirender waren studiert, da sie Diskussionsgrundlage waren und ich war bestens vorbereitet. Dann kam der Donnerstagabend und ich fühlte mich elendiglich. Dass mein Körper vor den Ferien - wenn bereits mit Viren infiziert - auf Sparflamme läuft aber durchhält, ist ja nichts Neues. Dieses Mal sollte er nicht durchhalten. Der letzte Schultag lag hinter mir und dem Abwehrkommando in meinem Körper war es egal, ob ich noch Leistungsnachweise zu pärsentieren hatte. Sämtliche Soldaten streckten die Waffen nieder und so wurde ich übermannt. Das mochte noch nichts heissen. Noch immer hatte ich die Hoffnung, dass ich Freitagmorgen fit genug sein würde, um doch noch zur Fachhochschule fahren zu können.
Der Freitag - Rennpferd in Gedanken
Freitagmorgen, der Wecker holte mich aus meinem Schlaf. Gleich eines Zombies schlurfte ich aus meinem Schlafzimmer in die Küche und stiess dabei gegen einen Stuhl. Meine Kehle war zugeschnürt. Kaum kriegte ich die Augen auf. Eine unsichtbare Gestalt bohrte eine unsichtbare Spitzale in meinen Schädel. Meine Jura gab meinen ersten Kaffee am Morgen von sich. "Bitte schön" sagte das Display, nach dem meine Kaffeetasse gefüllt war. Das konnte doch nicht wahr sein. Musste ich jetzt wirklich krank sein?! Nur dieser eine Tag trennte mich vom Semesterabschluss. Ich fluchte innerlich. Vielleicht sogar laut. Ich entsinne mich nicht mehr.
Mit der Kaffeetasse in der Hand schlurfte ich noch immer zombiegleich gen Schreibtisch, schaltete meinen Mac mini ein, der in den nächsten Tag durch meinen Mac Studio ersetzt werden wird, und öffnete meinen Mailaccount der Fachhochschule. Ich schrieb meine Dozis an, ich müsse mich krankheitshalber abmelden. Man möchte mir das weitere Vorgehen mitteilen. Ich schaltete den Mac wieder aus. Das Arbeitshandy war auf Flugmodus - in dem es bis Montag bleiben sollte. Ich hatte einach keine Motivation für Studium und Beruf und fühlte mich elend.
So schlurfte ich mit der Kaffeetasse in der Hand gen Wohnzimmer und richtete mich auf der Couch häuslich ein. Irgendeine Serie würde Netflix schon hergeben.
Das Stechen in meinem Schädel wurde sporadisch. Es kam und ging, um wieder zu kommen. Ich habe nie Kopfschmerzen! War das denn nötig? Schliesslich spürte ich einen Druck im Brustbereich, worauf mir die Atmung schwerfiel. Das Stechen im Schädel nahm zu. Schliesslich verspürte ich in gefühlt jedem Organ ein Stechen. Läge ich etwa im Sterben? Wie fühlte sich ein Herzinfarkt an? Ein Schlaganfall?
Ich kam nicht umhin, an den Herrn in Indiana Jones und der letzte Kreuzzug zu denken: "Was geschieht mit mir?". Na ja, aus einem Becher aus purem Gold hatte ich ja nicht getrunken. Meine Kaffeetasse war wohl eher der "Becher eines Zimmermanns".
Exkurs: Indiana Jones and the last Crusade
Als ich mir die Szene hier seit langer Zeit mal wieder angeschaut habe, kam ich nicht umhin, mich zu fragen, ob der gute Donovan (das ist der nette Herr, dessen Gesicht sich hier auflöst), vielleicht nicht das Zeitliche gesegnet hat, weil er den falschen Gral erhalten hatte, oder villeicht viel mehr aufgrund der hohen Bakterienbelastum des heiligen Wassers? Der Tempelritter ist hunderte von Jahren alt. Wechselt er das Wasser in diesem Topf täglich? Reinigt das Gefäss antibakteriell? Folglich wäre Donovans Endgegner nicht der Gral gewesen, sondern das gärende Bakterienwasser darin.
Das bringt mich darauf, dass ich heute wohl noch meinen Wasserfilter reinigen werden. Auskochen. Mit antibakteriellem Spray behandeln. Mit Abwaschmittel auswaschen. Nochmals auskochen. Und sämtliche Filterteile auswechseln.
War ich dem Tode geweiht? Wartete Gefatter Tod darauf, mich zu sich holen zu können? Meine Gedanken schweiften um Rennpferde. Um Araberpferde, die an Überanstrengung starben. An Erschöpfung. Admire Rakti, ein japanischer Vollblüter starb 2014 am Melbourne Cup an Kammerflimmern aufgrund Erschöpfung. Sollte ich wie Admire Rakti enden? Etwa vergleichbar kläglich lag ich da. Nutzlos. Dem Tode geweiht. Reglos.
Mein Gehirn zeigte Bestform in vernetztem Denken und so verlinkte es den Melbourne Cup mit Phar Lap.
PHAR LAP - LEGENDE EINER NATION
Geboren 1926 in Neuseeland
Gestorben 1932 in den USA
Rasse: Englisches Vollblut
Trainer: Harry Telford
Phar Lap war in den 1920er und 1930er Jahren das dominierende Rennpferd in Australien. Er gewann 37 seiner 51 Rennen, darunter den Melbourne Cup 1930. Das Pferd war bzw. ist in Australien derart berühmt, dass sein präparierter Körper im Melbourne Museum steht. Seine Geschichte wurde auch mehrfach verfilmt.
1932 starb Phar Lap in Kalifornien. Die Todesursache blieb lange Zeit unbekannt. Man schwankte zwischen Kolik, Vergiftung, Bakterieller Infektion und Erschöpfung. Phar Laps Tod wurde ca. 2011 neu aufgerollt und nun geht man von einer bakteriellen Infektion aus, welche eine Darmentzündung verursacht hatte.
Wie viel Wahrheit dem beizumessen ist, ist unklar. Denn es wird auch gesagt, dass Phar Laps Herz nach der Obduktion einem Museum übergeben wurde. Die Tochter des obuzierenden Arztes gab jedoch an, das Herz sei während der Obduktion zerschnitten worden.

Woher kenne ich die Geschichte eines Rennpferdes, das lange vor meiner Geburt existiert hat? Mit ca. 12 Jahren hatte ich ganz klischeehaft ein Pflegepferd. Wie immer, wenn ich mich für etwas interessiere, versuchte ich alle Informationen zu beschaffen und mich dementsprechend zu bilden. So war das auch mit Pferden. Ich lernte ein Lexikon über Pferderassen nahezu auswendig, erkundigte mich über mögliche Gefahren auf den Weiden, Giftpflanzen, Krankheiten, etc.
Irgendwann, als ich bei einer Cousine übernachtete, die am selben Ort reiten ging wie ich, schauten wir eine alte VHS-Kassette: PHAR LAP - LEGENDE EINER NATION. Der Film ist von 1983 und zeigt die Lebensgeschichte Phar Laps. Durch diesen Film erfuhr ich erstmals etwas über Bekanntheit und Prestige von Pferderennen - später dann auch über damit verbundene Tragödien.
Ich meine, mich zu erinnern, dass die Todesursache in diesem Film von Sim Wincer Tod durch Vergiftung ist. Jedoch liegt meine Kindheit lange zurück - wie auch dieser Filmabend. Folglich kann ich mich irren.
Das Wochenende - ALIVE!
Von Freitag auf Samstag schlief ich 14 Stunden lang. Als ich Samstag so gegen 10:30 Uhr erwachte, schien die Sonne. Ich nahm meinen Kaffee und trank ihn draussen. Ich fühlte mich lebendig und fast schon fit.
War ich nicht dem Tode geweiht? Die unsichtbare Kreatur mit ihrer unsichtbaren Ale tauchten nicht auf. Mir wurde also kein spitzer Gegenstand in den Schädel gebohrt. Meine Organe machten sich auch nicht bemerkbar und meine Erschlagenheit war nahezu fort.
Folglich kam ich nicht umhin, mich zu fragen, ob ich einfach derart erschöpft war/bin. Anders konnte ich mir diese Wunderheilung nach 14 Stunden Schlaf nicht erklären. Oder war es eine Täuschung? Schliesslich ging es den verstrahlten Feuerwehrmänner in der Chernobyl-Serie auch viel besser, ehe sich ihre Haut aufzulösen begann und sie qualvoll verendeten.
Also dachte ich wieder an den Herren aus Indiana Jones under letzte Kreuzung: "Was geschieht mit mir?"
Quellen
Phar Lap - Legende einer Nation (1983) ⭐ 7.2 | Biografie, Drama, Familienfilm. (1985, April 19). IMDb. https://www.imdb.com/de/title/tt0086102/?ref_=nv_sr_srsg_1_tt_5_nm_2_in_0_q_phar%2520lap
Wikipedia-Autoren. (2006, March 5). Phar Lap. https://de.wikipedia.org/wiki/Phar_Lap




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